Der rote Hut wurde von der Montessorischule Neuötting unter der Leitung von Anja Evers vorgeführt. Es handelt sich um eine moderne Version des weltberühmten Märchens der Gebrüder Grimm.
In diesem Stück trägt die Protagonistin einen roten Hut, der sie an ihre Oma erinnert, weshalb sie aber gehänselt wird. Sie sieht, dass ihre Oma von einer menschlichen Variante des „bösen Wolfs“ gekidnappt wurde, den sie online kennengelernt hat.
Deshalb stellt sie sich mutig dem Dieb und rettet ihre Oma. Dafür erntet sie den Respekt ihrer ehemaligen Mobberinnen, die sie schließlich als Freundin aufnehmen.
Diese neue Erzählung verbindet aktuelle Themen wie Ausgrenzung, Online-Gefahren und vor allem Mut mit einer Geschichte, die jeder kennt. Mut ist aber ein wichtiges Schlüsselwort hier, denn es handelt sich um den Mut, sich einem Dieb zu stellen, den Mut, Nein zu sagen, und den Mut, über Probleme zu sprechen.
Das Darstellen der Emotionen und Gefühle war sehr verständlich, überzeugend und ernst – nicht nur für ein Schultheaterstück, sondern allgemein. Besonders gut gelang dies der Hauptrolle. „Rotkäppchen“ hat sich sehr gut getragen, und dank ihres Selbstvertrauens hat sie sich die Aufmerksamkeit auf der Bühne verdient. Apropos Gefühle: Die Hauptdarstellerin vermittelte treffend und genau die Ängste und Probleme ihrer Rolle, was das Stück ernster machte, als man erwartet hätte. Die Mobberinnen, die ihren Part sehr gut gespielt haben, stellten einen guten Bezug zum Publikum her, indem ihnen die Interaktion mit den Zuschauern so gut gelang. Dies weckte die Aufmerksamkeit und das Interesse des Publikums sehr früh.
Dies war aber nicht der Höhepunkt der Reaktion des Publikums, denn die Szene, in der der Wolf die Oma angeblich isst, ließ jeden vor Schock mit geöffnetem Mund zurück.
Die Ausführung der beiden Darsteller paarte sich perfekt mit dem Licht- und Musikspiel, das die Gewalt stark hervorhob. Mithilfe des Lichts gelang es außerdem, den Zuschauern genau zu zeigen, wann ein innerer Monolog im Kopf Rotkäppchens stattfand, wo sie sich physisch befand und wie es ihr dabei ging. Das Bühnenbild trug jedoch ebenfalls viel zur Verständlichkeit der Umgebung bei, ebenso wie die Requisiten. Man hätte erwartet, dass bei einem schulischen Theaterstück beim Umbau einmal etwas schiefläuft oder dass etwas auffällig wirkt. Aber wie bereits festgestellt, fühlte sich dieses Stück ernst an. Und manchmal achtete man dank der schauspielerischen Leistung der Hauptdarstellerin gar nicht darauf, was im Dunkeln auf der Bühne geschah.
Es gab hingegen ein paar Szenen, die man gar nicht gebraucht hätte oder die schwer zu verstehen waren. Jedoch geht diese Kritik bei den vielen guten Aspekten des Stückes unter.
Julien Perez
Titelbild: Vincent Mair

